Organ donation.
The gift of life.

Therapiegestaltung

Das Problem der Therapiegestaltung bei Organtransplantierten Patienten setzt sich aus der Immunsuppressiven Therapie zusammen, aber auch andere Medikamente, sowie Änderung von Gewohnheiten und die psychologischen Auswirkungen sind wichtige Punkte in der Therapiegestaltung.

Immunsuppression bezeichnet einen Vorgang, der immunologische Prozesse unterdrückt. Medizinisch ist das in der Regel relevant, wenn unerwünschte Reaktionen des Immunsystems gehemmt werden sollen, wie es nach Organtransplantationen der Fall ist. Für immunssuppressiven Therapien gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Dabei sind immer vor und Nachteile einer Therapie und Nutzen gegeneinander abzuwägen. Die Beziehung zwischen Immunsuppression und Organ Abstossung ist komplex und individuell. Deshalb ist jeder Patient verschieden und benötigt eine individuelle Therapie welche zusammen mit dem Spezialarzt erarbeitet wird. Dabei sind die Gefahren einer stärkeren  Therapie wie erhöhtes Infekt oder Tumorrisiko gegenüber Nutzen, d.h. Vorbeugen oder Prophylaxe der Abstossungsreaktion, gegen einander abzuwägen.

Zusätzlich zu der immunsuppressiven Therapie werden in der Regel weiter Medikamente für Blutdruckbehandlung, Medikamente für die kardiovaskuläre Prophylaxe wie z:B. Lipidsenker, und weiter Medikamente benötigt.

 

Trotz aller medikamentösen Therapie dürfen weitere Massnahmen nicht vergessen werden, z.B. ist das Rauchen schädlich nicht nur für die Nieren, auch für den gesamten Organismus. Ferner ist eine regelmässige körperliche Aktivität für den Körper wichtig.


Die Psyche nimmt in der Organtransplantation eine besondere Rolle ein. Deshalb gehört zur Therapiegestaltung auch ein Eingehen auf spezielle psychische Probleme die mit dem leben mit einem transplantierten Organ einher gehen.  Zum Beispiel sollte spezifisch das Umgehen mit der Angst wegen möglicher Abstossungsreaktion, Infektionen etc. angegangen werden und falls nötig durch den Facharzt behandelt werden. Bei Organtransplantation ist es wichtig, das das Organ gut seine Funktion erfüllt, aber auch  dass der Patient lernt mit seinem Organ zu leben.


Prof. Dr. Bruno Vogt, Inselspital Bern

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Forschung, Entwicklung, Produktion, Zulassung, Preis

Was treibt die Pharmaforschung an? 

Trotz des grossen medizinischen Fortschritts der letzten Jahrzehnte können immer noch viele Krankheiten nicht geheilt werden oder es gibt für viele keine gezielten Therapien. Das bedeutet: Für zwei Drittel der Krankheiten steht keine geeignete Therapie zur Verfügung. Im Fokus der Pharmaforschung stehen deshalb innovative Medikamente, die einen deutlichen Vorteil gegenüber bestehenden Medikamenten und Lösungen bieten und so schnell und wirksam lindern und heilen können. Der medizinische Bedarf und der wissenschaftlich-technologische Fortschritt sind dabei die wesentlichen Treiber. Leider blendet die Arzneimitteldiskussion in der Politik aber Nutzenaspekte zunehmend aus. Dabei sind stabile und vorhersehbare Rahmenbedingungen, innovationsfreundliche Regulierung und ein hoher Patentschutz für die Pharmaforschung in der Schweiz unerlässlich. Keine andere Branche investiert so viel in Forschung und Entwicklung wie die Pharmaindustrie. Alleine im Jahr 2011 investierten die hier ansässigen Firmen mehr als 6 Milliarden Franken in die Erforschung neuer Medikamente und Therapien.

 

Spitzenplatz der Schweiz als Forschungsstandort

Die hohen Investitionen in die pharmazeutische Forschung und Entwicklung in der Schweiz unterstreichen die grosse Bedeutung des Forschungsstandortes. Die Schweiz liegt im Innovationsbereich an der Spitze der europäischen Länder. Schweizer Forschung findet dabei zunehmend international und vernetzt statt. Gerade in den für die Transplantationsmedizin wichtigen Bereichen wie Infektions-, Immunologie- und Krebsforschung ist die Schweiz führend. Das enge Netz von Spitzenuniversitäten und Transplantationszentren tragen zu dieser Spitzenstellung bei. 

 

Für die Stärkung des Forschungsplatzes Schweiz

Der Schweizer Forschungsplatz ist jedoch ernst zu nehmender und wachsender Konkurrenz aus-gesetzt. Kleine Spitäler mit geringen Patientenzahlen, hohe Kosten und Mehrsprachigkeit sind grosse Nachteile für die Durchführung von vernetzten Forschungsvorhaben und hemmen Investitionen in den hiesigen Forschungsplatz. Zudem ist in den vergangenen 10 Jahren ein eindeutiger Trend beim Rückgang klinischer Studien in der Schweiz festzustellen. Verschiedene Massnahmen können zu einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für Forschung in der Schweiz beitragen. Neben der bereits laufenden Einrichtung eines Netzwerkes von klinischen Studieneinheiten zur Qualitätsverbesserung der klinischen Forschung wird dabei auch eine zentrale Rolle spielen, wie das neue Humanforschungsgesetze auf der Verordnungsebene umgesetzt wird.

 

Meilensteine in der Transplantationsmedizin

Seit dem 19. Jh. konnten grosse medizinische und therapeutische Durchbrüche auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin erzielt werden. Beginnend mit den ersten Gewebeversuchen über die erste erfolgreiche Nierentransplantation bis hin zur Entdeckung des ersten Immunsuppresivums. Auch wenn die Abstossungsreaktion lange Zeit ein unlösbares Problem war, so konnte durch die Entdeckung der immunnsupprimierenden Wirkung von Ciclosporin durch Borel in Basel, die erste klinische Behandlung mit Sandimmun / Cyclosporin A und die Entdeckung von Tacrolimus / FK506 oder CellCept / Mycophenolatmofetil zur Prophylaxe akuten Abstossung enorme therapeutische Fortschritte erzielt werden. 

 

Zukunft der Transplantationsmedizin

Heute arbeitet die pharmazeutische Industrie an der weiteren Verbesserung der Immunsuppresiva. Unerwünschte Reaktionen sollen gehemmt, akute Abstossreaktionen verhindert und Nebenwirkungen weiter verringert werden. Auch der verstärkte Anwendung von Biologika in der Onkologie und der Rheumatologie oder der Einsatz von Antikörper für die Induktionstherapie vor einer Transplantation sind heute innovative Bestandteile der Transplantationstherapie. Eine weitere Neuerung ist die AB0-inkompatible Nierentransplantation. Seit 2005 werden in der Schweiz Lebendspenden über die AB0-Blutgruppen-Grenze hinweg durchgeführt. 5 Zentren führen diese durch und haben sich auf ein gemeinsames Protokoll geeinigt. Dank Plasmapherese und B-Zell-reduzierender Therapie kann die AB0-inkompatible Nierentransplantation heutzutage ohne die Entfernung der Milz sicher durchgeführt werden.

 

Inkrementelle Innovation und Medikamentenentwicklung

Bis ein neues Medikament dem Patienten zur Verfügung steht, vergehen im Schnitt acht bis zwölf Jahre. Die entsprechenden Kosten belaufen sich auf über 1 Milliarde CHF. Dieser Entwicklungsphase stehen meist Jahre der Forschung voran. Dort sind grosse Durchbrüche allerdings die Ausnahme. Die Regel sind vielmehr viele kleine, für die Patienten aber wichtige Einzelschritte. Der optimale Nutzen neuer Therapien für den Patienten stellt sich zudem kaum schlagartig mit der Einführung eines revolutionären Medikaments ein, sondern ist das Ergebnis von laufender, schrittweiser Innovation. Damit Patientinnen und Patienten raschen und gleichberechtigten Zugang zu neuen Medikamenten erhalten braucht es international konkurrenzfähige Zulassungs- und Preisfestsetzungsverfahren die schrittweise Innovation honorieren und eine verstärkte Berücksichtung des medizinischen Nutzens einbeziehen.

 

Zusammenfassung Referat „Medikamentensicherheit: Forschung, Entwicklung, Produktion, Zulassung, Preis“ von Thomas B. Cueni, Generalsekretär Interpharma – Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz, anlässlich des Symposiums für Transplantierte 2013, Inselspital Bern, 9. März 2013

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