Organ donation.
The gift of life.

Es braucht mehr Aufklärung und mehr Klarheit

250 Transplantierte trafen sich am Samstag, 9. März 2013 im Inselspital in Bern zum jährlichen Symposium des Schweizerischen Transplantierten Vereins. An einer Podiumsdiskussion diskutierten Vertreter von Swisstransplant, der Ethik, der Intensivmedizin sowie eine Transplantierte und die Patientenschützerin, Nationalrätin Margrit Kessler am Tag nach der Botschaft des Bundesrates zur Revision des Transplantationsgesetzes Mittel und Wege, um die Organspende in der Schweiz besser zu verankern.

In der Schweiz werden Organspenden in 6 regionalen Spital-Netzwerken organisiert und koordiniert: Gemäss dem Swiss Organ Allocation System haben in der Zeit von 2008 bis Ende August 2012 drei Viertel aller Spitäler in den Regionen Zürich, Bern und Luzern keinen einzigen Spender gemeldet. Swisstranplant-Stiftungsratspräsidentin Trix Heberlein glaubte nicht, dass die Schweizerinnen und Schweizer grundsätzlich gegen die Organspende sind: «Wir haben ein Problem bei den Spitälern. Es fehlt an speziell geschultem Personal, das mit Angehörigen Gespräche führen kann. Die Kantone nehmen hier ihre Pflichten nicht wahr, denn eigentlich müsste jedes Spital in der Schweiz mit einer Intensivstation eine solch geschulte Person beschäftigen. 

In der Romandie sind die Strukturen besser. Hier wurde investiert und ausgebildet. Das zeigt sich auch in den Zahlen. In der Westschweiz haben im selben Zeitraum 60% aller Spitäler mindestens einen Spender gemeldet.
» Patientenschützerin Margrit Kessler sprach gar von einem «riesigen Nachholbe­darf bei den Spitälern». Angehörige müssten bedeutend besser betreut werden. Zudem müsse auch die Aufklärung der Öffentlichkeit verbessert werden. 

BAG-Informationskampagne kontraproduktiv? 

Keine guten Noten erhielt die bisherige Informationskampagne des Bundesamtes für Gesundheit BAG über die Organspende. Swisstransplant-Direktor PD Dr. med. Franz Immer rechnete vor: «Die Ablehnungsrate lag vor der Kampagne bei 25%, danach bei über 40%.» Trix Heberlein doppelte nach: «In den BAG-Kampagnen wird zu viel Negatives kommuniziert. Das ist kontraproduktiv und erhöht die Verunsicherung in der Bevölkerung. 

Der vorgeschlagene Aktionsplan des Bundesrates wurde an der Podiumsdiskussion zwar begrüsst, aber es sei nicht verständlich, warum Bundesrat und BAG es ablehnten, dass beispielsweise Krankenkassen einmal im Jahr ihren Mitgliedern einen Organspenderausweis und eine Information schickten mit der Bitte, dies zu prüfen. Das würde die Menschen für dieses Thema sensibilisieren und die Diskussion fördern. Und es wäre günstig, zumal die Krankenkassen dies unterstützen würden. 

PD Dr. Tanja Krones, Leitende Ärztin Klinische Ethik Zürich, gab zu bedenken, dass ein zu grosser Druck auf den Einzelnen oft das Gegenteil des Gewünschten auslöse und dass viele Leute sich nicht gerne in ein Register eintragen lassen. Auch sie unterstützt die heute gültige Zustimmungslösung. Das Podium war sich einig, dass die Information der Öffentlichkeit einfach, verständlich und mit grösstem Respekt erfolgen müsse. Und es sei schlecht, wenn das erst im Spital passiere, wenn ein Angehöriger gestorben sei und über eine mögliche Organspende gesprochen werde. 

„Therapieabbruch“ ist das falsche Wort. 

Intensiv diskutiert wurde das Prozedere, wenn ein Patient auf die Intensivstation gebracht und festgestellt wird, dass keine Aussicht mehr darauf besteht, dass er überleben wird. In der Schweiz sterben heute insgesamt rund 3500 Menschen im Jahr auf der Intensivstation in einem Spital, davon rund 2800 Menschen nach einem Therapieabbruch, weil keine Aussicht mehr besteht, dass der Betroffene überleben wird. 

Ärzte müssen eine Therapie abbrechen, wenn es keine medizinische Option mehr gibt, um ein Überleben des Patienten zu gewährleisten. Prof. Christoph Haberthür, Leiter der Chirurgischen Intensivstation des Kantonsspitals Luzern, hat schon viele Gespräche mit Angehörigen geführt, in denen er mitteilen musste, dass ein Patient nicht überleben wird. «Der Patient steht dabei immer im Mittelpunkt. Wir besprechen immer zuerst, was nun geschehen wird, wie es mit dem Patienten weitergeht.“ 

Dabei werde auch mit den Angehörigen darüber gesprochen, lebenserhaltende Massnahmen abzuschalten. Erst wenn das besprochen sei, werde eine allfällige Organspende angesprochen, erklärte Prof. Haberthür und betonte: «Wenn die Angehörigen das ablehnen, dann ist das zu akzeptieren.» Tanja Krones betonte in dem Zusammenhang, dass der Begriff Therapieabbruch“ eigentlich falsch sei. Der Patient werde bis zum letzten Atemzug therapiert und medizinisch betreut. Man lasse sie aber sterben und versuche nicht mehr länger, sie am Leben zu halten. 

Claudia Senn, eine Nierenempfänge­rin aus St. Gallen, blickte am Schluss positiv in die Zukunft: «Ich hoffe, dass ein Umdenken stattfindet und bin zuversichtlich. Nach einer Transplantation kann man ein normales Leben führen. Das haben viele noch nicht begriffen.»