Organ donation.
The gift of life.

Zusammenleben mit transplantierten Angehörigen - vor und nach der Transplantation

 

Nahe Angehörige, z.B. Partner oder Eltern von transplantierten Patienten durchlaufen ganz ähnliche  Phasen der Krankheitsverarbeitung wie der Patient selber. Ängste, Überforderung, Nicht-Wahrhaben wollen wie auch aktive Strategien im Sinne von “das Beste draus machen“ sind zu beobachten. Nicht immer laufen diese Prozesse beim Patienten und seinem Angehörigen parallel ab, was zu Missverständnissen führen kann.

Angehörige können auch ein Schonverhalten gegenüber dem Transplantierten entwickeln, d.h. sie nehmen sich zurück und es besteht die Gefahr, sich selber zu sehr in den Hintergrund zu stellen. Die ganzen Belastungen können zu Erschöpfungszuständen, Wut gegenüber dem Angehörigen bishin zur eigentlichen Depression führen. Zur Bewältigung ist es hilfreich, mit dem Partner über eigene Bedürfnisse und Schwierigkeiten zu reden, “im Gespräch miteinander zu bleiben“.

Eine Krankheit eines Partners kann auch positive Aspekte mit sich bringen, wie z.B. eine Vertiefung der Partnerschaft, Dankbarkeit, eine neue Wertorientierung oder vertiefte Kontakte.

Für Angehörige kann es wichtig sein, die eigenen Bedürfnisse nicht zu vergessen und vorhandene Ressourcen zu aktivieren. Dies sind z.B. soziale Kontakte zu pflegen, die Beziehung zum kranken Partner aktiv zu gestalten, kreative Betätigungen, Musik, Entspannungsverfahren (z.B. Mindfullness Based Stress Reduction), Literatur oder ein anderes Hobby. Dabei ist es meist besser, etwas zu tun, als gar nichts zu machen. Auch eine fachliche Unterstützung kann sinnvoll sein, v.a. wenn Niedergeschlagenheit, Aengste, Freudlosigkeit oder Schlafprobleme über mehrere Wochen andauern.

Mindfullness Based Stress Reduction
Das Mindfulness-Based Stress Reduction Program (MBSR), deutsch: “Die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion”, wurde von Dr. Jon Kabat-Zinn im US-Bundesstaat Massachusetts 1979 entwickelt. Der ehemalige Molekularbiologe hatte selbst langjährige Erfahrungen mit buddhistischer Meditation - zunächst als Zen-Schüler und später in der Vipassana Tradition - und mit der Praxis des Hatha-Yoga. Als er damals die Krankenhausadministration überzeugen konnte, ergänzend zur regulären Behandlung, Schmerzpatienten ein auf Achtsamkeitsmeditation und Yoga basierendes Trainingsprogramm anzubieten, war der Grundstein für die heute äußerst renommierte Stress-Reduction-Clinic gelegt. Das MBSR-Programm wird inzwischen in über 240 Kliniken auf der ganzen Welt angeboten. In zahlreichen Studien konnte die Wirksamkeit bei unterschiedlichen Patientengruppen nachgewiesen werden.

 

Das Programm enthält folgende Übungselemente:

  • die Einübung achtsamer Körperwahrnehmung (Body-Scan)
  • das sanfte und achtsame Ausführen einer Anzahl von Yogastellungen
  • das Kennenlernen und Einüben des "Stillen Sitzens" (Sitzmeditation)
  • das achtsame Ausführen langsamer Bewegungen etwa in der Form der traditionellen Gehmeditation
  • eine dreiminütige Achtsamkeitsübung (Breathing-Space)
  • das Üben Achtsamkeit auch bei alltäglichen Verrichtungen aufrecht zu halten.

Weblinks zu MBSR
- http://www.mbsr-verband.ch  Website der MBSR-Verband Schweiz, Luzern, bietet auch Kurse an, Kontaktadresse: info(at)mbsr-verband.ch
- www.mindfullivingprograms.com/whatMBSR.php  (in englisch)
- www.achtsamleben.at/mbsr.html (in deutsch)
 

Zusammenfassung Referat „Zusammenleben von transplantierten Angehörigen vor und nach Transplantation“ von Frau lic. Phil. Irene Geiger, Fachpsychologin FSP, Abteilung für Transplatationsimmunologie/Nephrologie und Abteilung für Psychosomatik, Universitätsspital Basel, anlässlich des 8. Symposium für Transplantierte, Inselspital Bern, 12. März 2011