Organ donation.
The gift of life.

Zahnhygiene/Zahnproblematik nach Transplantation

Dr. med. dent. Miranda Kurmann

 

Gute Mundhygiene für die allgemeine Gesundheit wichtig
Organtransplantierte Patienten werden lebenslang immunsupprimiert, um eine Abstossungsreaktion nach Organtransplantation zu vermeiden. Dadurch haben Sie theoretisch ein erhöhtes Risiko an bakteriellen Infektionen aus der Mundhöhle zu erkranken. Eine gute Mundhygiene ist somit nicht nur für die Mundgesundheit, sondern auch für die allgemeine Gesundheit dieser Patientengruppe sehr wichtig. Infektionen durch nahezu jede Art von Mikroorganismen können insbesondere während den ersten drei Monaten der Immunsuppression für den Patienten lebensbedrohlich sein.

Verminderter Speichelfluss durch Medikamente
Diverse Medikamente, welche organtransplantierte Patienten einnehmen müssen, führen zu einem verminderten Speichelfluss. Fallen die Schutzfunktionen und kariesprotektiven Eigenschaften des Speichels weg, sind Austrocknung, Rötung, Schmerzen, Brennen, Läsionen, Blutungen und Infektionen der Mundschleimhaut die Folgen. Sekundäre Folgen der Schleimhautveränderungen wie ständiges Durstgefühl, Kaubeschwerden, irritierter Geschmacksinn, Schluckbeschwerden, mangelhafte Mundhygiene (weil diese kaum durchführbar ist), Mundgeruch, schlechter Prothesenhalt bis hin zu vollständiger Prothesenunverträglichkeit sind weitere Nebenwirkungen. Trockene Schleimhäute sind sehr empfindlich, wodurch es auch zu einer Fehlernährung führen kann - i.R. handelt es sich hierbei um eine kohlenhydratreiche Schonkost welche zu vermehrtem Zahnbelag führt und die Entstehung einer Karies zusätzlich begünstigt.

Regelmässige Flüssigkeitszufuhr äusserst wichtig

In diesen Fällen sind speichelstimulierende Medikamente oder Speichelersatzmittel (Emofluor, Biotène, beim zahnlosen Patienten: Glandosane) sowie eine regelmässige Flüssigkeitszufuhr (ungezuckerten Tee, Mineralwasser) äusserst wichtig. Erkrankungen des Zahnfleisches und Zahnhalteapparates (Gingivitis und Parodontitis), sowie Schleimhautinfektionen wie Pilze (Candida) werden durch einen verminderten Speichel ebenfalls gefördert. Pilze (Candida) treten oft beim Einsatz von Antibiotika auf, da diese das mikrobiologische Gleichgewicht zugunsten der Pilze verschieben. Solche Candidainfektionen müssen mit Antimycotica behandelt werden.

Wucherung des Zahnfleischs durch Immunsuppression
Organtransplantierte Patienten müssen Medikamente zur Immunsuppression (z.B. Sandimmun ® ) einnehmen, welche oft Gingivahyperplasien (=Wucherungen des Zahnfleisches) verursachen, welche durch Zahnbelag, Zahnfleischentzündung und Zahnstein gefördert werden. Neuere Medikamente verursachen dies nicht mehr.

Aphtenbehandlung lediglich durch Schmerzlinderung
Bei organtransplantierten Patienten wird zudem häufig die Entstehung von Aphten beobachtet. Diese können unter Umständen zu so starken Schmerzen führen, dass die Behandlung abgebrochen werden muss. Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Die Therapie ist symptomatisch und dient vor allem der Schmerzlinderung und der Verhinderung einer Infektionsausbreitung (Pyralvex, Gurgellösungen, Adhäsivpasten (Solcoseryl); Haftsalben (Kenacort); Co2-Laserbehandlung).

Verfärbung der Zähne durch Medikamenteneinnahme
Gewisse Medikamente können die Zähne bräunlich verfärben. In der Regel reicht eine regelmässige professionelle Zahnreinigung (Ultraschall und Polierpaste). Liegen die Verfärbungen tiefer, muss evtl. sogar ein Bleaching durchgeführt werden.  

Gründliche Voruntersuchung vor Transplantation
Beim heutigen Wissensstand hält man sich an erprobte Prophylaxekonzepte: Die Voruntersuchung entspricht einer ausführlichen klinische und röntgenologische zahnärztlichen Kontrolle mit anschliessender Hygieneinstruktion und –motivation, sowie einer professionellen Zahnreinigung. Vor einer Transplantation wird alles Notwendige saniert, um akute zahnärztliche Probleme (insbesondere in den ersten drei Monaten nach Transplantation) zu verhindern. Alle Behandlungsmassnahmen müssen unter Berücksichtigung der Grunderkrankung und in Absprache mit den behandelnden Ärzten ausgeführt werden.

Regelmässige Kontrollen nach Transplantation
Nach der Organtransplantation müssen regelmässige zahnärztliche Kontrollen erfolgen, um eine unerkannte Ausbreitung von Entzündungen zu verhindern.
In den ersten drei Monaten nach Transplantation dürfen grundsätzlich keine zahnärztlichen Behandlungsmassnahmen erfolgen, wodurch Bakterien von der Mundhöhle in die Blutbahn gelangen können (Bakteriämiegefahr) mit Ausnahme von potentiell lebensbedrohlichen Entzündungen.
Nach drei Monaten können zahnärztliche Behandlungen wieder durchgeführt werden  –  jeweils in Absprache mit dem behandelnden Arzt.

Nach oben