Organ donation.
The gift of life.

Schwangerschaft

Zu meiner Person

Erkrankt an einer Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörper) mit 19 Jahren.


Dialysepflichtig mit 24 Jahren.Nach einem Jahr Bauchfelldialyse Transplantation einer Niere.


Glücklicherweise habe ich abgesehen von meinen Nieren eine sehr gute Gesundheit. Habe kaum Infekte und das Transplantat funktioniert sehr gut. Ich komme mit einem Minimum an Medikamenten aus und kann ein fast normales Leben führen.

 

Irgendwann kam dann der Kinderwunsch und wir haben versucht uns zu informieren.

 

Information ist wichtig

Wir wollten es richtig machen und nicht einfach eines Tages schwanger in der Sprechstunde erscheinen. Nicht nur wegen der Medikamente, welche sich allenfalls nicht mit einer Schwangerschaft vereinbaren lassen, auch weil wir den Segen meiner Nephrologin haben wollten. Also haben wir sie mit unserem Kinderwunsch konfrontiert. Konfrontiert ist wohl das richtige Wort. Nach dem ersten Schrecken hat sie sich von uns überzeugen lassen, dass wir wirklich ein Kind haben möchten. Meine Frauenärztin war weitaus skeptischer und hat uns von Anfang an gesagt, dass sie uns bei Problemen ans Frauenspital überweisen wird.

 

Wir fanden es sehr schwierig an Informationen zu kommen. Im Internet haben wir kaum etwas gefunden. So sind wir am 1. Symposium für Transplantierte in Bern gelandet, wo Frau Doktor Hösli einen Vortrag zum Thema hielt. Die wichtigste Aussage des Vortrags war für uns: „Die Kinder sind gesund!“

 

Ein sehr wichtiger Punkt ist auch, dass meine Grundkrankheit nicht vererblich ist.

 

So haben wir dann die nicht lebenswichtigen Medikamente, welche sich nicht mit einer Schwangerschaft vereinbaren lassen, abgesetzt.

 

Meine Schwangerschaft

Da meine Schwangerschaft ein „Einzelschicksal“ ist, möchte ich darüber nicht viel schreiben.

 

Mit Komplikationen haben wir natürlich gerechnet. Alles andere wäre nicht realistisch. Die Probleme, welche wir hatten, waren jedoch nicht jene welche wir erwartet hatten.

 

So hatte ich am Anfang der Schwangerschaft eine Thrombose, welche tägliches Spritzen von Blutverdünner mit sich brachte. Trotzdem durften wir eine zwar eingeleitete aber normale Geburt erleben.

 

Rückblickend…

… können wir sagen, dass wir es wieder tun würden.

 

… haben wir festgestellt, dass dies ein etwas einsamer Entscheid ist. Viele Bekannte und Verwandte haben den Atem angehalten und sich teilweise gar nicht mehr getraut anzurufen, vor allem gegen Ende der Schwangerschaft.

 

… stellen wir fest, dass die ganze Schwangerschaft sehr „krankheitslastig“ war. In den letzten Wochen der Schwangerschaft war ich mehrmals wöchentlich bei Arztkontrollen. Meist liessen sich die Termine nicht abstimmen. Glücklicherweise habe ich irgendwann mal gefragt, „Was wäre denn jetzt normal?“. Ab diesem Zeitpunkt war ich regelmässig in der Hebammensprechstunde, dies hat mir sehr gut getan und es hat mir etwas „Normalität“ vermittelt. Sogar einen Geburtsvorbereitungskurs haben wir besucht, obwohl wir zu dem Zeitpunkt noch mit einem Kaiserschnitt rechneten.

 

13.03.09 / Saskia Röhn

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Schwangerschaften nach Transplantation

Eine erfolgreiche Schwangerschaft nach Organtransplantation ist möglich. Seit den ersten, erfolgreichen Schwangerschaften ab 1957 ist die Anzahl der Frauen welche schwanger wurde stetig und steil angestiegen. Dieser Trend  wurde unter anderem begünstigt durch stetige Verbesserungen der chirurgischen Verfahren und durch eine rasch sich entwickelnde, potente immunosuppressive Pharmakotherapie. Nichtsdestotrotz besteht ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Hypertonie, Präeklampsie und Diabetes. Entsprechend ist die Frühgeburtenrate und die Kaiserschnittrate deutlich erhöht. Daneben liegt auch das Geburtsgewicht der Kinder oft unter 2500g. Falls begleitende Krankheiten wie Diabetes und Hypertonie vor der Schwangerschaft kontrolliert sind und das Transplantat gut funktioniert, ist mit einem akzeptablem Verlauf der Schwangerschaft zu rechnen.


Auf eine zu frühe Planung einer Schwangerschaft sollte verzichtet werden. Es wird empfohlen, mindestens ein Jahr nach Transplantation abzuwarten. Entsprechend ist eine optimale Verhütung wichtig. Auf Interaktionen zwischen der Pille und den immunsupprimierenden Medikamenten ist  zu achten sowie auch auf begleitende Krankheiten wie Hypertonie und Diabetes. Entgegen früherer Bedenken scheint die Spirale eine optimale Verhütungsmethode zu sein. Impfungen sind vor der Transplantation oder vor einer Schwangerschaft zu vervollständigen da diese Frauen ein erhöhtes Risiko für Impfversagen oder Infektionen aufweisen. Auf die erhöhte Inzidenz von anderen viralen Infektionen wie Herpes simplex oder Cytomegalie muss während einer Schwangerschaft geachtet werden. Daneben werden auch vermehrt HPV (Humanes Papillomavirus)-assoziierte Probleme beschrieben wie Condylome und Zervixdysplasien. Regelmässige zytologische Untersuchungen (Vorsorgeuntersuchung, PAP-Test) und eine HPV-Impfung bei den jungen Frauen vor der Kohabitarche helfen, diese Problematik zu senken.


Auch die Wahl der Immunsuppression ist wichtig. Schemata auf der Basis von Cyclosporin und Tacrolimus mit Corticosteroiden und/oder Azathioprin (Imurek) als flankierende Therapie sollten bevorzugt werden. Während der Schwangerschaft sind regelmässige Spiegelkontrollen wichtig. Mit diesen Medikamenten entwickeln sich die meisten Kinder gut. Neuere Immunosuppressiva sind aber mit Fehlbildungen assoziiert worden und müssen mit Vorsicht und Vorbehalt eingesetzt werden oder umgestellt werden bei Schwangerschaftswunsch. Ähnliches gilt auch für Antihypertensive aus der Gruppe der ACE-Hemmer oder Angiotensinrezeptor-Blocker welche durch andere, für das ungeborene Kind sicherere Medikamente, ersetzt werden müssen. Ob unter immunsuppressiver Therapie gestillt werden darf ist noch kontrovers und muss von Fall zu Fall diskutiert werden. Jedenfalls sollten beim gestillten Kind ebenfalls Medikamentenspiegel bestimmt werden.

Eine engmaschige, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Spezialisten kann dazu führen, dass das mütterliche und kindliche Outcome optimiert werden kann.

PD Dr.med.L.Raio
Chefarzt-Stellvertreter Geburtshilfe
Universitätsfrauenklinik Bern

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