Organ donation.
The gift of life.

Antibiotika-Resistenz: Was heisst das für Transplantierte?

Frau Prof. Dr. Kathrin Mühlemann
Klinik und Poliklinik für Infektionskrankheiten, Universitätsspital Bern

Antibiotika sind heute unverzichtbar für die Therapie von schweren Infektionen. Insbesondere Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr, wie zum Beispiel Transplantierte, sind bei einer schweren Infektion durch Bakterien auf die gute Wirksamkeit eines Antibiotikums angewiesen. 

 

Antibiotikaresistenzen seit ca. 70 Jahren

Seit der Einführung von Antibiotika vor ca. 70 Jahren werden bei Infektionserregern Antibiotikaresistenzen festgestellt. Resistenz bedeutet, dass ein bestimmtes Antibiotikum einen Infektionserreger (ein Bakterium) nicht mehr abzutöten vermag. Resistent gegen Antibiotika ist also das Bakterium nicht der Mensch. Der Resistenztrend ist in den letzten Jahren weltweit zunehmend, zum Teil mit besorgniserregender Geschwindigkeit. 

 

In der Schweiz ist die Häufigkeit von antibiotikaresistenten Infektionserregern noch geringer als in vielen anderen Ländern. Es besteht jedoch auch bei uns ein deutlich zunehmender Trend. Mit einer zeitgerechten Entwicklung neuer Antibiotika kann leider heute nicht gerechnet werden.

 

Restistenzen in der Schweiz vorallem im Spital

Antibiotikaresistente Infektionserreger treten in der ambulanten und in der Spitalmedizin auf, sie sind aber im Spital zurzeit noch eindeutig häufiger. Dafür gibt es mehrere Gründe. Im Spital werden mehr Antibiotika verschrieben, was den Selektionsvorteil für antibiotikaresistente Erreger erhöht.

 

 Hospitalisierte Patienten sind anfälliger für eine Infektion, weil sie kränker sind und weil in einem Spital häufiger Behandlungen durchgeführt werden, welche Infektionspforten öffnen (durch Schwächung des Immunsystems oder Durchbrechen von natürlich Barrieren wie Haut und Schleimhäute). Dadurch werden auch Bakterien zu Infektionserregern, welche beim sonst gesunden Menschen, üblicherweise keine Infektionen verursachen. Man nennt solche Erreger deshalb auch Opportunisten.

 

Händewaschen

Das wichtigste Reservoir für antibiotika-resistente Infektionserreger ist der Mensch und in den Spitälern insbesondere die Patienten (aus den oben erwähnten Gründen). Die Übertragung von (antibiotika-resistenten) Bakterien erfolgt meist von Mensch-zu-Mensch über physischen Kontakt (Hände). 

 

Das betreuende Spitalpersonal spielt als Überträger eine wichtige Rolle. Andere, theoretisch mögliche Keimquellen wie die Luft, unbelebte Flächen (zum Beispiel der Fussboden), die Nahrung oder das Wasser sind dagegen in der westlichen industrialisierten Welt mit hohen Lebensstandard sind praktisch unbedeutend. In der Schweiz werden heute zahlreiche Anstrengungen unternommen, um den steigenden Antibiotikaresistenztrend zu bremsen. 

 

Überwachte Resistenzlage

Dazu gehören die Schweiz-weite (www.search.ifik.unibe.ch) und Spital-weite Überwachung der Resistenzlage, Richtlinien zum möglichst sparsamen Gebrauch von Antibiotika, und Hygieneprogramme in den Spitälern. Patienten können zu ihrem eigenen Schutz beitragen, indem sie nach Möglichkeit Infektionsrisiken senken. 

 

Dazu gehören das Vermeiden von Verletzungen der Haut und Schleimhäute, das Befolgen der üblichen Regeln der persönlichen und Lebensmittelhygiene, und das Durchführen der Empfohlenen Impfungen (inkl. Personen im persönlichen Umfeld). Bei einer allfälligen Antibiotikatherapie soll diese sollen die Anordnungen des Arztes/der Ärztin mit Bezug auf Dosis und Dauer eingehalten werden.