Organ donation.
The gift of life.

Rechtzeitiges Erkennen und Behandeln von Transplantationskrankheiten

Zusammenfassung des Vortrages am 4. Symposium für Transplantierte 2007

 

Thema 1: Arteriosklerose und Transplantatvaskulopathie

 

Die Arteriosklerose ist die Volkskrankheit Nr. 1, an welcher die meisten Leute versterben. Sie entsteht durch Verfettung, Verkalkung und letztendlich Verschluss grosser und kleiner Arterien und ist verantwortlich für Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Raucherbein und Erweiterung (Aneurysma) der grossen Körperschlagader. Ihre Ursache umfasst häufig mehrere Faktoren, wobei „the big five“ in den meisten Fällen die entscheidende Rolle spielen: Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Rauchen, hoher Cholesterinspiegel und genetische Faktoren.

 

Transplantierte Patienten sind in verschiedener Hinsicht von dieser Krankheit betroffen. Bei vielen ist diese Krankheit Ursache des primären Organversagens und kann auch im Transplantat wieder auftreten, wenn an den obigen Risikofaktoren nichts verändert wird. Im weiteren verschlechtert die immunosuppressive Therapie zur Erhaltung des Transplantates genau diese Faktoren und hat dazu geführt, dass heute etwa jede 5. Niere aufgrund kardiovaskulärer Komplikationen des Empfängers verloren geht. Schliesslich kann im Transplantat eine besondere Form der Arterienerkrankung auftreten, die sogenannte Transplantatvaskulopathie, welche vor allem bei Herz- und Nierentransplantaten auch Ausdruck einer schleichenden chronischen Form der Abstossung sein kann.

 

Fazit: Der Arteriosklerose muss bei der Langzeitbetreuung von transplantierten Patienten eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, um langfristig ein gutes Resultat zu erreichen, und zwar durch eine optimale Einstellung der ursächlichen Risikofaktoren und eine optimale individuell angepasste Immunosuppression.

 

 

 

Thema 2: Hauterkrankungen beim transplantierten Patienten

 

Hautprobleme sind bei transplantierten Patienten sehr häufig und reichen von banalen kleinen Warzen bis zum sich diffus ausbreitenden „weissen Hautkrebs“. Unter den gutartigen Veränderungen sind Nebenwirkungen der Immunosuppressiva häufig, so z.B. die Akne bei Kortisontherapie, die Zahnfleischschwellung und der übermässige Haarwuchs bei Therapie mit Sandimmun oder der Haarverlust bei Therapie mit Prograf. Als Ausdruck der allgemeinen Immunsuppression kommt es auch zu Infektionen der Haut, wie zB die gemeinen Warzen (Papillomavirus), die Gürtelrose (Herpes Zoster) oder gehäufte Fieberblasen (Herpes simplex).

Unser hauptsächliches Augenmerk richtet sich jedoch auf den „weissen Hautkrebs“, welcher bei transplantierten Patienten deutlich gehäuft vorkommt. Er beginnt in unscheinbaren Vorstufen (sog. aktinische Keratosen) und kann im späten Stadium auch Metastasen in Lymphknoten und inneren Organen setzen. Hauptrisikofaktor neben der Immunsuppression ist die UV-B Bestrahlung im Sonnenlicht. Prophylaxe (Sonnenschutz und Reduktion der Sonnenexposition) und Früherkennung sind entscheidend für die Prognose, da die Vorstufen und die frühen Stadien einfach und effizient behandelt werden können.

Fazit: Jeder transplantierte Patient braucht eine jährliche dermatologische Kontrolle der gesamten Haut und Schleimhaut. Bei Auftreten von verdächtigen Befunden sollten die Kontrollen häufiger erfolgen und die Indikation zur Diagnostik und Therapie grosszügig gestellt werden.

 

 

 

Thema 3: Erhöhte Harnsäure – oder warum Ihr Hund nie eine Gicht bekommen wird!

 

Erhöhte Harnsäure im Blut (Hyperurikämie) tritt in verschiedenen Situationen auf: einerseits bei Zufuhr Purin-reicher Nahrung, andererseits bei verminderter Harnsäureausscheidung im Urin. Im Unterschied zu vielen anderen Spezies ist der Mensch nicht in der Lage, Harnsäure zu verstoffwechseln, sondern muss sie direkt im Urin ausscheiden. Somit ist die Harnsäure bei fast allen nierentransplantierten Patienten mit eingeschränkter Transplantatfunktion erhöht, aber auch bei Empfängern anderer Transplantate, wenn sie Medikamente erhalten, welche potentiell nierenschädigend wirken und/oder die Harnsäure-Ausscheidung hemmen (wie zB Sandimmun oder Prograf).

 

Klinisch manifestiert sich die Hyperurikämie auf zwei Arten: akute und chronische Gicht sowie Harnsäuresteinleiden. Eine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos durch Hyperurikämie wird diskutiert. Die Harnsäure im Blut kann durch drei verschiedene Medikamententypen gesenkt werden, welche entweder die Bildung der Harnsäure hemmen oder die Ausscheidung oder die Verstoffwechselung erhöhen. Gleichzeitig sollte die Ernährung angepasst werden.

 

Fazit: Hyperurikämie ist bei transplantierten Patienten häufig. Sie soll behandelt werden bei symptomatischer Gicht und Harnsäuresteinleiden und asymptomatisch nur bei hohen Werten.