Organ donation.
The gift of life.

Trends und Neuentwicklungen in der Immunsuppression

Körperteile zu transplantieren ist ein uralter Menschheitstraum. Verlorene oder entstellte Körperteile würden einfach ersetzt werden. Schon um 800 v.Chr. wird über Nasentransplantationen aus Hautfetzen berichtet. Um 300 n.Chr. hören wir vom Wunder der Heiligen Kosmas und Damian, die ein Bein eines verstorbenen Mohren transplantieren. Weiter findet man unzählige Beispiele von Transplantationen, die wohl mehr Sagen als Tatsachen oder einfach nur grausame Versuche am Menschen sind.

 

Erst Anfang des letzten Jahrhunderts (1900-1930) war die Chirurgie so weit, Transplantationen rein technisch zu ermöglichen. Trotzdem war die Organtransplantation erfolglos und transplantierte funktionierende Nieren wurden nach nur wenigen Stunden oder Tagen fulminant abgestossen. Erst jetzt (1930-1950) begann man, der Immunologie auf die Schliche zu kommen, und ihre Bedeutung in der Abstossung von Fremdorganen zu erkennen.

 

Man entdeckte das Kompatibilitätssystem und die genetischen Grundlagen für dieses System. Mit diesem Wissen transplantiert 1954 die Gruppe um E. Murray in Boston, USA, erstmals erfolgreich eine Niere unter eineiigen Zwillingen. In der Folge (1950-1960) werden viele Versuche gestartet, Nieren innerhalb der Blutsverwandtschaft zu transplantieren. Aber auch hier mit nur mässigen Erfolg: absolute genetische Identität war Voraussetzung für Erfolg.

 

Das Immunsystem des Organempfängers musste also irgendwie umgangen werden. Aus Tierexperimenten wusste man, dass eine Bestrahlung das Immunsystem vorübergehend ausschaltet: Organempfänger erhielten nun Ganzkörperbestrahlungen. Ein längeres Transplantatüberleben war hiermit tatsächlich möglich geworden, aber in der Regel verstarben nun die Patienten an den Folgen der Bestrahlung.

 

Mit dem ersten Einsatz von Azathioprin (1964), einem Derivat eines Medikamentes aus der Krebstherapie, welches die Vermehrung von sich schnell teilenden Zellen verhindert (wie z.B. Zellen des Immunsystem), erfolgte der Durchbruch. Plötzlich waren Transplantatüberleben von über 60% nach einem Jahr möglich. Man wurde mutiger und es folgten Herz-, Lungen-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen- (bei Diabetes) und Darmtransplantationen.

 

In den 70’er Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckten Forscher der Novartis (Sandoz) das Ciclosporin, ein Produkt eines Bodenpilzes aus Norwegen. Das Ciclosporin war das erste Immunsuppressivum welches spezifisch weisse Blutkörperchen unterdrückt. Das Überleben steigerte sich auf über 80% nach einem Jahr. Mitte der 90’er Jahre kamen eine Fülle von neuen immunsuppressiven Medikamenten auf den Markt, die Alternativen bedeuteten. Neue Kombinationen erlaubten ein Überleben von über 90% und eine Individualisierung der Therapie.

 

Die Entwicklung neuer Therapien geht heute in eine andere Richtung als damals: Nachdem man zufriedenstellende Wirksamkeit erreicht hat, versucht man jetzt, die Nebenwirkungen zu reduzieren. Neben der Entwicklung von neuen immunsuppressiven Medikamenten mit weniger Nebenwirkungen, versucht man vorhandene Immunsuppressiva neu und niedriger zu kombinieren, damit auf lange Sicht eine mögliche toxische Wirkung umgangen oder zumindest reduziert werden kann.