Organ donation.
The gift of life.

Gesunde Ernährung vor und nach einer Organtransplantation

«Lass die Nahrung deine Medizin sein und Medizin deine Nahrung». Diesen Satz gibt es nicht erst seit der Entstehung von diversen Ernährungstrends im heutigen Zeitalter. Er stammt von Hippokrates, einem Arzt, der von 384 v. Chr. bis um 322 v. Chr. in Griechenland gelebt hat [6]. Doch was hat es mit diesem Credo auf sich?  

Das Thema Ernährung ist allgegenwärtig, ob bei gesunden Menschen, die noch «gesünder» werden möchten oder in Krankheitssituationen. Speziell dann scheint die Bereitschaft, gesundheitsfördernde Massnahmen zu ergreifen, in der Regel gross.

Den Überblick über die zahlreich vorhandenen Empfehlungen zu behalten ist schwierig. Zu verwirrend sind die Ratschläge aus dem sozialen Umfeld, den Medien und nicht zuletzt von medizinischen Fachpersonen. Doch was ist nun wirklich relevant?  Kann Nahrung unsere Medizin sein?

Falls keine Ernährungsprobleme vorliegen, welche eine bedarfsdeckende Zufuhr erschweren, liegt der Fokus vor einer Organtransplantation darauf, den guten Ernährungszustand zu erhalten oder ihn bei Bedarf zu optimieren.

Dieser liegt vor, wenn eine bedarfsdeckende Zufuhr und somit der Erhalt der Muskelmasse gewährleistet ist [1]. Was bedeutet das nun im Alltag? Es bedeutet, dass eine ausgewogene Ernährung, orientiert an den Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für gesunde Ernährung (SGE, http://www.sge-ssn.ch/ ), im Alltag umgesetzt und das Körpergewicht stabil gehalten werden kann. Dies unterstützt den Körper, sich von der bevorstehenden Operation zu erholen. Diverse Studien zeigen, dass sich ein schlechter Ernährungszustand negativ auf die postoperative Genesung auswirkt [3].

Wenn dies im Alltag nicht möglich ist, wird empfohlen, Unterstützung von einer Ernährungsberaterin/-therapeutin, BSc in Ernährung und Diätetik, in Anspruch zu nehmen. Diese Leistung wird von der Grundversicherung gedeckt. Fachpersonen in Ihrer Nähe finden Sie unter http://www.svde-asdd.ch/beraterinnen-suche/.

Auch nach einer Transplantation gibt es einzelne studienbasierte Empfehlungen zu beachten. Der Fokus liegt weiterhin auf einer ausreichenden Energie- und Proteinzufuhr, da der Körper aufgrund eines Stressmetabolismus einen erhöhten Bedarf hat [5]. Zu beachten sind nun zusätzlich Hygieneempfehlungen, die aufgrund der Einnahme von Immunsuppressiva gewissenhaft umgesetzt werden sollten. Je nach betroffenem Organ sind diese unterschiedlich streng [4]. Auch sollten, abhängig von den verschriebenen Medikamenten, Produkte mit Granatapfel oder Grapefruit gemieden werden, da sie zu Interaktionen führen können [2] 

Idealerweise werden Betroffene während dem Spitalaufenthalt durch eine Ernährungsberaterin/-therapeutin, BSc in Ernährung und Diätetik, dazu individuell instruiert.

Zusammenfassend liegt der Fokus vor sowie auch nach einer Organtransplantation auf der Aufrechterhaltung eines guten Ernährungszustandes mittels einer ausgewogenen Ernährung sowie der Einhaltung spezifischer Hygienemassnahmen ohne unnötige Einschränkungen. Jedoch sollte die Ernährung nicht nur als medizinische Therapie, sondern auch als Teil der Lebensqualität betrachtet werden – Freude am Essen sowie die damit verbundenen sozialen Aspekte sollten einen mindestens so grossen Stellenwert haben.

 

Quellen:

[1] Kondrup, J. Allison, S.P., Alia, M., Velass, B., & Plauth, M. (2003). ESPEN guidelines for nutrition screening 2002. Clinical nutrition, 22(4), 415-421.

[2] Leiner, P. (2013). Immer mehr Medikamente interagieren mit Grapefruit. CME, 10(2), 28.

[3] Löser, C. (2014). Ursachen und Klinik der Mangelernährung. Therapeutische Umschau, 71(3), 135-139.

[4] Transplantationszentrum Universitätsspital Zürich (2014). Wissenswertes für das Leben nach einer Lebertransplantation – Broschüre 2. Zürich: Universitätsspital Zürich.

[5] Weinmann, A., Breitenstein, S., Breuer J.P., Gabor, S.E., Holland-Cunz, S., Kernen M., …& Senkla, M. (2013). S3-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE, der DGCH, der DGAI und der DGAV: Klinische Ernährung in der Chirurgie. Aktuel Ernahrungsmed, 38, e155-e197.

[6] Wikipedia (2007). Aristoteles. Abgerufen am 16.11.2017 von de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles.