Organ donation.
The gift of life.

Übergewicht und Adipositas nach Organtransplantation – Grund zur Sorge?

Erkenntnisse aus der Schweizerischen Kohortenstudie

 

In den letzten 20 Jahren hat sich der Anstieg der übergewichtigen Menschen zu einem weltweiten Problem entwickelt. Die aktuellen Zahlen aus der Schweiz aus dem Jahr 2014 zeigen, dass etwa jeder dritte Mitbürger übergewichtig und etwa jeder zehnte sogar adipös (fettleibig) ist. Problematisch ist zudem, dass auch in der Schweiz die Anzahl der übergewichtigen und adipösen Menschen weiterhin ansteigt – und damit auch das Risiko für Begleiterkrankungen die mit Übergewicht und Adipositas einhergehen.  

 

 

Bezogen auf Menschen mit einer Organtransplantation ist diese Entwicklung besorgniserregend. Transplantierte Menschen haben im Vergleich zur Normalbevölkerung ein höheres Risiko für Herzkreislauferkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes Mellitus haben. Die Hauptursache dafür ist die lebenslange Einnahme der immunsuppressiven Medikamente, welche eine Abstossungsreaktion gegen das Spenderorgan verhindern. In der Versorgung transplantierter Menschen ist somit eines der wichtigsten Therapieziele die Vorbeugung von Begleiterkrankungen und anderer Risikofaktoren wie beispielsweise der Adipositas. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist auch die, zum Teil ungewollte, Gewichtszunahme nach der Transplantation. Dies führt unter Umständen dazu, dass ein Teil der Organempfänger erst nach der Transplantation übergewichtig oder adipös wird. Die Gründe für eine Gewichtszunahme sind vielschichtig. Nach jetzigem Stand der Forschung gehen wir davon aus, dass die Ursache ein Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren ist, wie zum Beispiel ungesunde Ernährung, mangelnde körperliche Aktivität, Immunsuppression, höheres Gewicht vor der Transplantation, Alter, Gene, Geschlecht, soziales Umfeld und psychisches Wohlbefinden. 

 

Obwohl sich in den letzten Jahren die Studienlange rund um das Thema Gewichtszunahme, Übergewicht und Adipositas stark erweitert hat, besteht im Bereich Transplantation noch weiterer Forschungsbedarf. Im Institut für Pflegewissenschaft der Universität Basel analysieren wir zur Zeit die Daten der Swiss Transplant Cohort Study (STCS). Das Ziel ist Untersuchung von Leber-, Nieren-, Herz-, und Lungentransplantation in Bezug auf: (1) Entwicklung des Körpergewichts von der Zeit vor der Transplantation bis 5 Jahre danach; (2) Konsequenzen von Gewichtszunahme und Adipositas auf Patientenergebnisse nach der Transplantation; (3) Risikofaktoren für Gewichtszunahme und Adipositas nach der Transplantation. Die Daten von 1721 Organtransplantierten (Niere: 1014, Leber: 353, Lunge: 213, Herz: 141) konnten in die Analyse eingeschlossen werden. Die ersten Ergebnisse weisen auf zum Teil deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Organgruppen hin. So sind beispielsweise zum Zeitpunkt der Transplantation etwa 20% der Nieren-, und Lebertransplantierten adipös, aber nur 5% der Lungentransplantierten. Bei der Betrachtung dieser Zahlen sollte man bedenken, dass der Anteil des Bauchwassers (Aszites) bei den Lebertransplantierten vom Gewicht nicht abgezogen werden konnte und es daher zu einer „falsch hohen“ Angabe kommen kann. Ein weiteres Beispiel: Bezogen auf den Zeitpunkt der Transplantation, beträgt die Gewichtszunahme 2 Jahre danach im Durchschnitt 2.5 kg bei Nieren- und Herztransplantierten sowie 4.7 kg nach Lungentransplantation. Die Lebertransplantieren nehmen hingegen 1.4 kg ab, wobei auch hier der Verlust von Bauchwasser und Ödemen eine zentrale Rolle spielt. Im internationalen Vergleich sind diese Zahlen eher niedrig. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass sich diese Durchschnittswerte aus einzelnen Werten mit einer grossen Spannbreite zusammen setzen. Das bedeutet, dass es beispielsweise 2 Jahre nach einer Lebertransplantation Menschen gibt, die 39 kg abgenommen haben und solche, die 22 kg zugenommen haben. Die ersten Ergebnisse liefern uns bislang schon sehr reichhaltige Informationen. Sobald unsere Analysen vollständig abgeschlossen sind, informieren wir Sie sehr gerne in einem ausführlicheren Artikel über die Ergebnisse dieser Studie. 

 

An dieser Stelle möchten wir allen Personen sehr herzlich danken, die an der Datensammlung der Schweizerischen Kohortenstudie teilnehmen. Damit ermöglichen Sie uns die Forschung zu diesen wichtigen Themen. 

 

 

Kontaktperson: sonja.beckmann(at)unibas.ch