Organ donation.
The gift of life.

Chronischer Schmerz und seine Folgen

Dr. med. N. Eiloff, Leiter Kompetenzbereich Psychosomatische Medizin, Inselspital, 3010 Bern

 

Schmerzursachen

Chronische Schmerzen sind dadurch definiert, dass sie mindestens über drei Monate anhalten. Treten chronische Schmerzen auf, können diese verschiedene Ursachen haben. Die Schmerzen können zum Beispiel als Folge von verspannten Muskeln auftreten oder durch übermässige Gelenksbelastungen hervorgerufen sein. In vielen Fällen helfen konventionelle Schmerzmedikamente oder auch physiotherapeutische Massnahmen wie Haltungsschulung, Bewegungstraining und das Erlernen von Techniken zur muskulären Entspannung. Sind die Schmerzen „mechanischer“ Ursache (z.B. Gelenkschädigungen) ist ärztliche, resp. orthopädische Hilfe nötig.


Individuelles Schmerzerleben

Wesentlich ist bei Schmerzen zu verstehen, dass jeweils nicht einfach nur „der Rücken schmerzt“, sondern immer der Mensch als Ganzes betroffen ist. Es ist zudem notwendig zu wissen, dass chronischer Schmerz in der Regel nicht 1:1 gleichzusetzen ist mit einer Gewebeschädigung sondern dass der Schmerz sich „verselbstständigen“ kann.

 

Eigentlich ist Schmerz immer eine Körperwahrnehmungsfunktion des Gehirnes. Wie andere unangenehme Körperwahrnehmungen (z.B. Frieren, Hungergefühl, Schwindel, Erschöpfungsgefühl) hat Schmerz letztlich eine Alarmfunktion, die dem Bewusstsein meldet, dass die eigene körperliche Unversehrtheit gefährdet ist. Alle diese genannten Körperalarmfunktionen müssen „unangenehm“ sein, um so bei den Betroffenen selbstschützendes Verhalten auszulösen. Dauert dieses „unangenehme Gefühl“ aber ständig an, wundert es nicht, dass Patienten mit chronischen Schmerzen ein erhöhtes Risiko haben, depressiv zu werden.

 

Weiter ist wichtig zu wissen, dass nicht alle Menschen gleich schmerzempfindlich sind. Eindrücklich lässt sich wissenschaftlich belegen, dass dieselbe Schmerzursache längst nicht bei allen Menschen gleich starke Schmerzen hervorruft. Es gibt zudem viele Untersuchungen, die zeigen, dass anhaltender starker Stress die Schmerzempfindlichkeit am ganzen Körper erhöht. Es gibt chronische Schmerzerkrankungen, die in direktem Zusammenhang mit andauernden Stress stehen, z.B. Ganzkörperschmerzen bei Fibromyalgie.


Direkte und indirekte Massnahmen bei chronischem Schmerz

In der klinischen Betreuung und Behandlung von Patienten mit chronischen Schmerzen unterscheiden wir direkte und indirekte  Massnahmen. Die direkten Massnahmen helfen direkt die Ursachen der chronischen Schmerzen zu reduzieren (z.B. Medikamente, Infiltrationen etc.). Die indirekten Massnahmen sollen helfen, dass die Betroffenen grundsätzlich weniger schwer an den Schmerzen zu leiden haben (Haltungstraining, Entspannungsverfahren, Bewegungstraining, schmerzpsychologische Verfahren, etc. )

 

Eine integrative, moderne Schmerzbehandlung strebt eine Unterstützung des gesamten Menschen an. Neben den bekannten direkten Massnahmen sind die indirekten Massnahmen letztlich für die Lebensqualität mindestens ebenso hilfreich.